Dive or Die ist auf Steam am 21. Juli 2026 erschienen und paart Rougelite mit Lovecraft und Erkundung mit einem ganz einzigartigen Grafikstil. Für uns wurde das Spiel von mobitigger getestet und als Gastreview dürfen wir nun sein Urteil über das Spiel genießen.
Nass, Nasser, Dauerregen – Dive or Die
Dive or Die – Children of Rain spielt in einer postapokalyptischen Welt, in welcher die Menschheit in ewigem Regen unterzugehen droht. Der ewige Regenmacher schwebt wie Damokles mit seinem Säbel über dem Spieler und gibt ihm, also mir, 40 Tage Zeit, um mein Lager und die darin befindlichen Überlebenden zu retten. Wovor? Das weiß ich nicht so genau. Überall fällt der mysteriöse schwarze Regen vom Himmel und die Flut kommt, um alles unwiederbringlich zu verschlucken.

Tauchen, Organisieren, Versorgen
Ich bin also verantwortlich für das Camp mit Überlebenden, verantwortlich für den Bau von hilfreichen Gebäuden und deren Weiterentwicklung, verantwortlich für das Verteilen und Nutzen der Ressourcen und bin verantwortlich für die Tauchgänge. Denn, in „Dive or Die – Children of Rain“ kommt man nur weiter, wenn man in den Abgrund taucht. Tiefer und immer tiefer muss man runter um Ressourcen wie Nahrung oder Andenken zu finden, oder eben Materialien für den Ausbau des Camps oder zum Upgraden der Tauchausrüstung. Dabei kann ich am Ende auch selbst entscheiden, ob ich die gesammelten Rohstoffe für das Camp ausgebe, für seine Bewohner, für ab und an erscheinende Events oder ob ich sie am Ende am Altar opfere um die unwillkürlich endenden 40 Tage bis zur Flut um einen weiteren Tag zu verlängern.

Hier zeigt sich am Ende auch die absolute Tiefe des Spiels, denn der Spagat zwischen Opfern für die Verlängerung der Untergangsfrist, für Upgrades und das Personal-Micromanagement will wohl überlegt und gezielt ausgeführt sein. Jeder Campbewohner den ich am Leuchtturm des Camps rekrutieren kann, hat positive oder negative Eigenschaften, kostet Unterhalt und kann durch den Einsatz in Entsendungsmissionen oder in den jeweiligen Gebäuden leveln und so stärker werden. Mir als Quartiermeister obliegt am Ende sogar die Entscheidung, ob ich gut gelevelte Bewohner am Altar dem Regengott opfere, denn je höherwertig das Opfer ist, desto länger kann ich die Galgenfrist hinauszögern. Ein kaltdurchdachtes Spiel mit Menschen, Moral und dem Überleben per se.

Fantastisch ausbalancierte Spielmechaniken
Während ich also versuche mit jedem Tauchgang wie in Subnautica tiefer zu kommen, Idole und Erinnerungen zu sammeln, herauszufinden was es mit dem schwarzen Regen auf sich hat und mein Camp zu verwalten, dass mir die Flut nicht bis unters Kinn steigt, während ich also mit Mensch und Material jongliere, um das unvermeidliche abzuwenden zeichnet sich eine grundlegende Eigenschaft dieses Spieles ab. „Dive or Die – Children of Rain“ vermischt auf hervorragende und hervorragend ausbalancierte Weise Genreelemente aus Survival, Roguelite und Metroidvania miteinander und stellt sich als eine überaus gelungene Mischung aus „Dave the Diver“ und „Darkest Dungeon“ dar. Auch Spieler wie ich, die mit Metroidvania- und Roguelitespielen nicht viel anfangen können werden vom Design dieses Spieles, von den Monstern der Tiefe, von der gelungenen Balance und nicht zuletzt von seinem unfassbar fantastischen Artwork bei der Stange gehalten.

Core-Mechaniken und kleine Fehlerchen
Wenn gleich die Zeichnungen und Animationen dieses Spiels einfach nur genauso fantastisch gemacht sind, wie die sehr dezente aber immer passende Spielmusik ist dieses Game kein grafischer AAA-Überkracher. Doch es ist für mich insbesondere die vermittelte Stimmung, das gigantisch gute Sounddesign und diese bedrückende Beklemmung, die den Spieler jede Sekunde der Spielzeit überkommt, welche dieses Spiel zu einem Dauerbrenner machen. Grundlegend gut designte Core-Mechaniken aus verschiedensten Spielegenres sind dabei genauso unterhaltsam wie die gesamte Story des Spieles, welche ich euch hier definitiv nicht spoilern werde. „Es können nicht alle überleben“ – das ist das grundlegende Story Element von „Dive or Die – Children of Rain“ und treibt den Spieler zum Erkunden, Sammeln und Opfern an.

Die großen und kleinen Monster dieses Spieles heizen mir immer wieder ein und immer wieder bin ich versucht den ganzen Run abzubrechen, nur weil ich aus Unachtsamkeit meinen geliebten „Joe Saltman“ verloren habe. Ausrüstung upgraden, Gebäude im Camp weiterentwickeln, Überlebende ausbilden, Resourcen verwalten und nebenbei Quests lösen und geheimnisse lüften, dieses Spiel fordert dem geneigten Spieler eine Menge ab.
Technisch ist das Spiel dabei recht ausgereift, funktioniert auch auf dem Steamdeck wunderbar. Ich hatte lediglich hier und da ein paar Info-Fenster, welche andere Fenster verdeckt haben und das hat ab und an ein wenig gestört. Auch beim Leveln der Bewohner springt die Anzeige ab und an wieder in die Camp-Übersicht und man muss zurück navigieren, um das Leveln abzuschließen. Am Ende sind das aber alles überschaubare kleine Fehlerchen, welche der Entwickler Drop Rate Studio sicherlich auch noch beheben wird.

Dunkelheit mit Suchtfaktor – Dive or Die
Schon als ich mir die Demo dieses Spiels angeschaut habe, war mir nach wenigen Minuten klar, dass „Dive or Die – Children of Rain“ absolut ein Spiel für meinen Geschmack ist. Es lebt von der Atmosphäre, dem hammerstarken Artwork, dem perfekt gelungenen Sounddesign und der Balance seiner Spielelemente bis in die letzte Ecke. Wer Spaß an Subnautica hat, wer sich bei Dave the Diver zu Hause wähnt oder wer bei Darkest Dungeon run um run unternommen hat, der wird sich auch hier direkt zu Hause fühlen, wenngleich dieses Spiel seine Spieler nicht unbedingt groß an die Hand nimmt. Der Grusel, der mich überkommt wenn ich in den Tiefen den Horror-Monstern dieses Games begegne, der Perfektionist in mir, der Mensch und Material möglichst perfekt verteilen und nutzen möchte, dieses Spiel schafft es mich in seine Tiefe zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Ich für meinen Teil sehe mich die veranschlagten rund 20 Stunden zum Beenden des Spieles definitiv mehrmals machen und freue mich darauf. „Dive or Die – Children of Rain“ bekommt ihr für rund 18€ bei Steam und wer bei diesem doch recht geringen Preis für ein großartiges Spiel noch hadert, dem empfehle ich unbedingt die großzügig bemessene Demo.









