Am 29. September habe ich, wie jeden Morgen die Steam App auf meinem Handy geöffnet, um durch Neuerscheinungen und Angebote zu scrollen. Mir sprang direkt die Veröffentlichung von Nivalis Nights ins Auge, dass verdächtig nach dem Spiel Cloudpunk aussah. Meine Vermutung sollte sich bewahrheiten und so hat der Entwickler ION LANDS an diesem Tag einen weiteren Spieletitel im Cloudpunk-Universum veröffentlicht. Ich habe mir das Ganze angeschaut und zeige euch heute hier, worum es geht und ob dieses Spiel was für eure Steam Bibliothek sein könnte. Legen wir also los.
„Hier, nen Nudelshop. Schenk ich dir!“
Als ich in einer fernen Zukunft in der Stadt Nivalis aufwache, mich auf ihren Straßen ein wenig umschaue, wird mir ganz unverhofft ein Ramen-Shop geschenkt. Krasse Kiste, passiert mir immer wieder. Nun bin ich also verantwortlich dafür, in einer deutlich aufgearbeiteten „Neo Voxel Ästhetik“-Welt Zutaten zu kaufen oder Ressourcen anzubauen, Rezepte zu besorgen, mein Restaurant zu entwickeln und kräftig Asche zu scheffeln.
Um wirtschaftlich voranzukommen, bietet mir das Spiel komplexer werdende Möglichkeiten, so kann ich zum Beispiel angeln, Feldfrüchte anbauen oder sogar den Müll durchsuchen, um darin Samen oder besondere Items zu finden. Nivalis ist dabei in mehrere Bereiche unterteilt, welche ich entweder mit dem Taxi oder der Metro bereisen kann, letzteres ist allerdings abhängig von meinem eigenen Level. Es gibt unzählige ansprechbare NPCs und manche von Ihnen halten Quests von Ihnen bereit oder bereichern das Spiel um sehr interessante Nebengeschichten.

Als ich mich erst einmal grundlegend mit dem Restaurantbetrieb beschäftigt, Zutaten gekauft, Speisekarten erstellt und Personal angestellt habe, läuft der Laden zwar schnell relativ rund, aber das Budget ist knapp und das gute Geld ist schwer verdient. Ich kann mich für neue Rezepte bei der Konkurrenz bedienen, die Schichten meiner Mitarbeiter festlegen und über den Arbeitsplan Einfluss auf ihre Zufriedenheit und den genaueren Ablauf meines Geschäftsbetriebes nehmen. Später im Spiel darf ich dazu Bars und edle Restaurants und Nachtclubs managen. Garniert wurde das ganze zum einen mit einem kleinen Fertigkeitenbaum, das sorgt für zusätzliche Motivation beim Ausbau meines kleinen Gastro-Imperiums. So kann ich hier mehr Gewinn oder mehr Ertrag beim Anbauen durch passive Skills erwirtschaften. Zum anderen sind Romancing für Einsteiger und das Ausbauen und Dekorieren der eigenen Räumlichkeiten ebenfalls an Bord. Wer mag kann sich in Nivalis auch gerne um den Müll auf den Straßen kümmern, man kann sich dies Spiel an vielen Ecken und Enden so bespielen wie man mag.
Ein schöner Twist ist auch die nächtliche Ausgangssperre, verursacht durch einen Serienmörder, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Während dieser Ausgangssperre kann man, wie ein braver Bürger von Nivalis, das Bettchen aufsuchen und den Tag beenden, oder aber man streunt ein wenig herum, sabotiert die Konkurrenz oder tut Dinge.

Aufpoliert und aufgemotzt
Schon vom ersten Start weg, hat mich bei Nivalis Nights der WOW-Effekt gepackt. Alles sieht richtig schick aus und der technische Ansatz, welchen der Entwickler mit Cloudpunkt etabliert hat, wurde deutlich verbessert und macht allein die Optik von Nivalis Nights so gut, dass ich mir jetzt schon ein Remake von Cloudpunk wünsche.
Das Voxel-Design wurde deutlich verbessert und alles wirkt runder, glatter, stimmiger, wobei der Grundton der Atmosphäre aus Cloudpunk definitiv beibehalten worden ist. Das mag ich sehr. Wenn ihr euch darunter nichts vorstellen könnt, versuche ich euch ein Bild zu malen. Stellt euch vor ihr nehmt das Spiel „Cyberpunk 2077“, macht daraus einen pixel-style Titel und poliert den dann optisch auf Hochglanz. Neonlichter, Zukunftsvisionen in Verkehr und Lifestyle, der schrille Kleidungsstil und Weltbewohner irgendwo zwischen Mensch und Maschine machen den Look perfekt. Das ist Nivalis Nights und ich liebe alles daran. Ich könnte stundenlang durch diese Welt laufen und mir alles anschauen, mit allen reden und jede noch so kleine Ecke erkunden. Dabei lief bei mir von Anfang an auch technisch alles rund. Keine Bugs so weit, keine Abstürze, keine Fehler und vor allem auch eine amtliche Performance auf dem Steamdeck, so stelle ich mir ein Spielerelease vor.

Was die Entwickler hier vor allem aber auf die Beine gestellt haben ist eine funktionierende Simulation einer Stadt der Zukunft. Tag- und Nachtwechsel bereichern die Szenerie ebenso wie Wetterwechsel, NPC-Routinen und das Ganze in verschiedenen Stadtteilen mit mehr als zehntausend persistenten Weltobjekten und über eintausend individuell simulierten Fischen, so die Entwickler. Für mich ist es vor allem die damit umgesetzte Atmosphäre, die mich in diesem Spiel sogar mehr mitgenommen als im „großen Vorbild“ Cyberpunk. Dieses habe ich bereits vier Mal versucht zu spielen, habe es aber aus diversen Gründen immer wieder weggelegt. Als ich aber erst einmal in Nivalis angekommen war, habe ich dieses Spiel nicht oft weggelegt – das Real Life, ihr kennt das *seufz*. Ich könnte wirklich ewig durch diese Stadt laufen. Ach ja. Apropos laufen. Kommen wir doch mal so langsam zum Kern des Pudels.

Diesmal mehr Cyberpunk als Futurama – Nivalis Nights
Während sich für mich Cloudpunk angefühlt hat, wie ein Zukunfts-Lieferjungensimulator, also quasi wie Futurama, fühlt sich Nivalis Nights anders an. Als ich das erste Mal die Straßen von Nivalis betreten habe und mit offenen Mund durch die Straßen gegangen bin, um einfach Alles zu entdecken, fühlte sich dieser Teil der Serie an wie das originale Cyberpunk 2077. Die grellen Neonlichter, die wild gestalteten NPCs, das Wetter, all die Dinge, die es zu entdecken gibt, die Atmosphäre ist sofort da und zieht einen sofort rein. Die Charakteristik ist natürlich eine andere, denn am Ende sind wir ein Ramen-Restaurant Besitzer und mehr oder minder gefangen im Bestellungen annehmen, zubereiten, servieren, abräumen, Zutaten kaufen, Rezepte finden und integrieren, Laden erweitern, Geld scheffeln und Zutaten anbauen und ernten. Das ist der Kern von Nivalis Nights.

Genau hier finde ich aber auch meinen einzigen Kritikpunkt am Spiel. Man hat mir die Hova weggenommen und ich bin wütend darüber. Eines der coolsten Dinge im Vorgänger war es für ich, mit meinem coolen Flugauto die Luftstraßen der Stadt unsicher zu machen, gefühlt frei zu sein und hinzudüsen, wohin ich wollte. Das war am Ende einfach das spielbestimmende Element, denn auch Kollege Fry und seine Crew haben schlussendlich nichts anderes gemacht, als mit ihrem Spacevehikel Pakete auszufliegen. Dass das Setting nun ein Anderes ist, weil ich keinen Weltraumlieferjungen sondern einen Restaurantbesitzer spiele und sich somit das Meiste eher stationär, auf dem Boden abspielt, ist mir klar. Aber durch Nivalis fliegen zu können, die deutlich verbesserte Grafik genießen und mir alles auch von oben angucken zu können, das wäre fantastisch gewesen.

Ein würdiger Nachfolger
Der von mir beschriebene „Perspektivwechsel“ von Nivalis Nights gegenüber Cloudpunk ist durchaus sehr gelungen, wie ich finde. Ich hätte mir auch einen weiteren Cloudpunk-Titel irgendwie nicht vorstellen können, wenn das Spielprinzip einfach das Gleiche geblieben wäre und ich weiter hätte Pakete ausliefern müssen. Man merkt sofort beim Spielstart, dass sich der Entwickler Gedanken gemacht hat, dass nicht einfach nur ein Spiel ein wenig weitergesponnen sondern von Grund auf neu konzipiert und umgesetzt worden ist. Nivalis Nights überzeugt vor allem durch Grafik und Atmosphäre, aber auch durch die fein abgestimmte Mischung zwischen Wirtschaftssimulation, RPG und futuristischem Open-World Abenteuer. Viel mehr kann mein Gamer-Herz gar nicht wollen, naja, bis auf die fliegenden Weltraumautos vielleicht.
Wer allerdings wie ich, mit offenen Augen durch Nivails läuft, der merkt dem Spiel auch an, dass die ganzen Charaktere im Spiel nicht nur eigene Geschichten haben und erzählen, ganz oft stelle ich auch fest, dass sie auf feine Art und Weise irgendwie miteinander verwoben sind und so die Bewohner der Stadt und die Stadtteile auch auf der erzählerischen Ebene miteinander verbindet, nicht nur auf der technischen Ebene. Ein sehr gelungenes Element, wie ich finde. Allein schon, dass ich auf der Straße den „Therapy Bot“ treffe, dem ich für eine Hand voll Penunzen mein Herz ausschütten kann ist einfach nur genial.
Unterm Strich ist Nivalis Nights ein gelungener Teil der Serie und man kann darin schon einige Stunden versenken und Spaß haben. Absolute Kaufempfehlung von meiner Seite, aktuell kommt das Game auf 24,99 €uro – seit dem Release sind bereits zwei weitere Patches erschienen, welche die grundsätzliche Stabilität des Spiels insbesondere auch auf dem SteamDeck deutlich verbessert haben.









